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Liebhaberin des Lebens. I trust in vibes – energy doesn't lie.

Das Ding mit der Selbstliebe oder wie ein einziger Satz alles verändern kann

Selbstliebe. Ein Wort, das aus so viel mehr besteht, als aus einigen Buchstaben. Der Begriff – also was wir uns unter Selbst-Liebe vorstellen, wie wir sie begreifen – ist so vielschichtig, facettenreich und gleichzeitig unerlässlich für ein glückliches und erfülltes Leben.

Sollen wir diesen Begriff nun mit Bedeutung füllen und mit Worten definieren, dann ist das gar nicht so leicht. Ich für meinen Teil kann euch hier nur einen Einblick geben, was Selbstliebe für mich bedeutet, und wie ich Tag für Tag versuche, sie umzusetzen.

Ich glaube ja, dass die Liebe zu sich selbst grundsätzlich schon immer da war – tief in uns verborgen. Ich sehe alte Kinderfotos und weiß, ja ich fühl’s so stark, ich war ein sehr glückliches Kind, das jede Emotion gelebt und geliebt hat. Weil ich ich war, in jedem Moment, weil mir vor allem niemand gesagt oder gezeigt hat, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich zu dick, zu klein, zu laut, zu temperamentvoll, zu was auch immer bin; weil ich mich entwickeln konnte, wie ich eben war – 100% Sophie eben.

Doch wir kennen das alle (und ich glaube, heutzutage ist es noch viel schlimmer), spätestens wenn man in die Pubertät kommt, ersten Kontakt mit Burschen hat, sich anfängt mit den anderen Mädels und den Stars in den Medien zu vergleichen, wird das eigene Selbst auf eine ganz schön harte Probe gestellt. Plötzlich wird einem doch suggeriert, dass die Beine zu dick sind, die Nase zu groß, die Brüste zu klein, die Art zu aufdringlich, zu schüchtern ist. Es wird dir (oft auch unbewusst) ein winziger Floh ins Ohr gesetzt, der sich mit all den neuen Situationen, die dich an dir zweifeln lassen, weiter zu deinen Gedanken durchknabbert und dort angekommen so fett und widerspenstig ist, dass er dort erst einmal bleibt. Dieser Floh sind deine negativen Gedanken und Gefühle über dich selbst.

Bei mir hatte sich dieser Floh so wohl gefühlt, dass ich das erste Mal selbstzerstörerisches Verhalten mit 13, 14 Jahren gezeigt hatte. Ich habe mich runtergehungert um mich für jemand anderes zu verbiegen (zu zerbrechen). Ja, ich habe einem anderen Menschen die Macht gegeben, über mich zu urteilen, mich zu verletzen. Und der fette Floh hat so richtig triumphiert, weil ihm von außen Recht gegeben wurde. Ich habe somit mich selbst, die Liebe zu mir selbst, zum ersten Mal verraten, um „die Liebe“ (Menschen, die euch lieben, nehmen euch IMMER und bedingungslos so wie ihr seid!) und Aufmerksamkeit von einer anderen Person zu bekommen.

Heute weiß ich, dass dies der Auslöser für alles war. Damals war es mir aber nicht bewusst, ich hatte es nach und nach geschafft, wieder ein normales Essverhalten zurückzuerlangen – Schulwechsel, neue Leute, Menschen die Freunde wurden, neue Typen, die mir und denen ich gefallen hatte – das alles hat dazu beigetragen, dass ich mich der 100%-Sophie wieder annäherte (Wem fällt auf, dass ich scheinbar meine eigene Liebe zu mir selbst erneut davon abhängig gemacht habe, wie andere mich finden?)

Jedenfalls war ich wieder vermeintlich glücklich mit mir selbst. Vorerst. Nach und nach, und mit ein paar Kilos mehr (zwangsläufig, der Körper war eigentlich nur wieder zurück in seinem „Normalzustand“, was für MEINEN individuellen Körper keine Size Zero sondern eben eine weiblichere Form ist) kamen aber erneut Zweifel an meinem Körper auf. Und ich hoffe, dass euch das, was jetzt kommt, aufrüttelt: Auf der Plattform ask.fm hat mir eine Person anonym (ziemlich sicher weiblich) eine Nachricht geschrieben. Dass ich mich an den genauen Wortlaut noch so gut erinnern kann, sagt schon alles, er hat sich damals eingebrannt: „Du ziehst dich an, als hättest du eine gute Figur!“

Wäre ich damals im Reinen mit mir selbst gewesen, hätte mich diese Nachricht vielleicht kurz beschäftigt, aber dann hätte ich sie wieder vergessen. Stattdessen hatte mir diese Nachricht so zu schaffen gemacht, dass ich in diesem Moment den Entschluss fasste, dass ich es „den Leuten da draußen“ zeigen würde.

Ja, tatsächlich brachte mich eine unbedeutende Meinung einer fremden, feigen Person, die mich offensichtlich noch nicht einmal mochte, dazu, dass ich zum wiederholten Mal meinen Körper, meine Gesundheit – MICH für Außenstehende verändere, verbiege, zerstöre.

Wieder hatte ich in kurzer Zeit einiges an Gewicht verloren, war sportlich, fit, von allen bewundert – ja, ich hatte es ihnen allen gezeigt! Diejenigen, die mir schon sehr lange folgen, wissen, dass in dieser Zeit zusätzlich meine Follower-Anzahl auf Instagram ziemlich in die Höhe ging. Die „fitte“ Sophie war geboren, und mit ihr das Gefühl, dass ich nun noch mehr auf die Bestätigung von außen angewiesen bin, dass ich jetzt ja quasi mein neues Ich auch gebührend vertreten muss. Wieder zunehmen war ab sofort um jeden Preis zu verhindern.

Lange Zeit habe ich mir selbst eingeredet, dass mich „clean eating“ und 5x die Woche Sport glücklich macht. Dass ich so gesünder bin. Bis die gesundheitlichen Probleme anfingen, bis ich mir eingestehen musste, dass ich mich selbst belüge, mir was vormache. Dass ich mich verloren hatte. Und es treibt mir gerade eben immer noch Tränen in die Augen, wenn ich an die Situation denke, in der ich das zum ersten Mal offen auch vor jemand anderem zugegeben hatte. „Die Sophie, die ich früher einmal war, ich hab‘ sie verloren. Das bin nicht mehr ich.“

Deshalb schreie ich euch diesen Satz nun entgegen: Ein vermeintlich perfekter Körper bringt euch rein GAR NICHTS, wenn ihr nicht gesund, ein mentales und seelisches Wrack seid, und sich euer täglicher Tagesablauf um Essen, Kalorien und Sport dreht! Er ist nichts wert! Er war damals nur noch eine Hülle, die ein kaputtes Innenleben mit Müh und Not zusammengehalten hat.

Es schockiert mich nach wie vor so sehr, dass ein einziger Satz so viel Macht über ein komplettes Leben haben kann. Und auch wenn ich nach wie vor noch nicht ganz „geheilt“ bin, habe ich dieser Person mittlerweile verziehen.

Verzeihen ist von Selbstliebe und Selbstakzeptanz nicht zu trennen. Auch ich musste mir erst einmal verzeihen, dass ich meinen Körper und meine Seele so lange schlecht behandelt habe. Zu diesem Prozess des Verzeihens gehört außerdem alle Emotionen zuzulassen, hinzuhören, was fühle ich? Warum fühle ich das? Eine tiefgründige Selbstreflexion kann so vieles aufdecken, und dir Klarheit bringen.

Ich für mich kann sagen, dass ich all die Jahre über Umwege im Außen schlicht und ergreifend eines gesucht habe: Liebe. Aber du kannst im Außen keine aufrichtige Liebe finden, wenn im Inneren Chaos herrscht. Du kannst im Außen keine Liebe finden, weil du sie zuerst in dir selbst suchen und finden musst.

Niemand kann dich glücklich machen, solange du dich nicht selbst glücklich machen kannst.

Und im Umkehrschluss bedeutet das auch: Niemand kann dich unglücklich machen, dir ernsthaft was anhaben, wenn du selbst dich liebst. Du weißt, du bist genug du bist ein wunderbarer Mensch, du bist besonders, du bist schön, du bist mutig, du bist stark! Egal, was andere sagen!

Klar, das lässt sich jetzt leicht sagen, die Umsetzung ist es oft nicht. Selbstliebe ist ein langwieriger Prozess, gerade wenn sie einmal abhandengekommen ist. Selbstliebe ist nicht von heute auf morgen wieder da nach dem Motto: „Oh, da ist sie ja wieder!“ Nein, Selbstliebe sind viele kleine Schritte, die du bewusst gehst.

Akzeptiere dich. Akzeptiere deine „doofen“ Seiten (Sie sind nicht doof, der Floh in deinem Kopf denkt nur, dass sie es sind!). Du bist du, diese Beine, diese Nase, diese Brüste sind so, wie es sie kein zweites Mal gibt. Je früher du einsiehst, dass da nichts Falsches dran ist, umso besser. Du willst mit deinen Beinen noch so viele Wege gehen, einen Berg besteigen, in geile Schuhe schlüpfen, die Nacht zum Tag tanzen. Du willst mit deiner Nase noch so viele angenehme und schöne Düfte riechen, die Liebe deines Lebens damit am Duft erkennen. (Was gäbe ich dafür, noch ein einziges Mal an meinem Aramis mit meiner „zu großen“ Nase riechen zu können)

Dein Körper ist das Zuhause für deine Seele. All die Momente deines Lebens kannst du nur erleben, weil du einen gesunden Körper hast. Du bist deine Seele, die in einem Körper wohnt. Du bist deine Gedanken, deine Gefühle und Emotionen. Der Körper ist da, um diese ausleben zu können. Er ist somit eigentlich nur Beiwerk – Hülle eben. Stell dir vor, du verwirklichst dir deinen größten Traum. Was fühlst du? Welche Gedanken denkst du? Wer begleitet dich dabei? Hatte es nun irgendeine Bedeutung, wie dein Körper dabei ausgesehen hat? Er hat es dir ermöglicht zu erLEBEN, er tut es jeden Tag. Ziemlich undankbar, ihn dann dauernd abwertend zu behandeln und geringzuschätzen.

Aber weg von all den Äußerlichkeiten. Du hast Charaktereigenschaften an dir, die du selbst nicht magst? Okay, was wenn ich dir sage, dass sie ziemlich sicher der Grund sind, warum dich andere als coole Socke empfinden?! Wenn das genau die Art ist, die jemand anderes als spannend und liebenswert empfindet? Und selbst wenn du die einzige Person bist, die dich feiert: Deine Eigenheiten machen dich besonders. Anders. Einzigartig. Sei authentisch und du selbst.

Mittlerweile kann ich echt über mich sagen: JA verdammt, ich liebe meinen speziellen Humor, ich liebe meine Verrücktheit, ich liebe es, dass ich so viel labern kann um das ganze Restaurant zu unterhalten; ich gebe zu, dass ich spezielle Ansichten, Vorlieben und Charakterzüge habe. Und selbst, wenn andere mich nicht mögen, mich störend oder ‚too much‘ finden, dann ist das vollkommen okay so. Ich bin iiiiiiich. Und ich mag mich.

Natürlich haben wir alle Tage, an denen wir uns ganz schrecklich finden. Das ist normal, würde ich einmal behaupten. Wichtig ist doch nur, dass wir wissen, dass diese Tage vorübergehen. Dass wir unsere Gedanken und Emotionen annehmen, sie im Moment fühlen und dann frei lassen. Und dann besinnen wir uns wieder darauf, dass negatives Denken über uns selbst nichts bringt. Zur Selbstliebe gehört somit auch, sich der eigenen Gedanken über sich selbst bewusst zu sein und diese Denkweise zu reflektieren. Bringen mich meine Gedanken über mich weiter? Oder hindern sie mich daran, mich zu lieben und zu akzeptieren?

Und eines Tages findest du dann beim gründlichen Aufräumen deiner Gedanken die hartnäckigen letzten Reste des fiesen Flohs von vorhin. Du besinnst dich darauf, was für ein toller Mensch du als Gesamtpaket bist, der Floh merkt, dass es keinen Nährboden mehr für seine unnützen Zweifel gibt und sieh da: er räumt kleinlaut das Feld!

Und du merkst, dass du plötzlich frei bist. Du hast dich aus deinem eigenen Gefängnis selbst befreit. Du hattest den Schlüssel die ganze Zeit in deiner Hand. Wir alle haben den Schlüssel zu unserem Glück in unseren eigenen Händen. Wir müssen nur erkennen, wie wir ihn richtig benützen.

 

Ich hoffe, der Text berührt euch, hilft euch weiter, regt euch zum Nachdenken an.

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